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Ein Schatz im Tongefäss

Liebe Schwestern und Brüder

Am Aschermittwoch haben wir eine 40-tägige Reise in Richtung Ostern - dem Fest der Auferstehung - begonnen. Die Karwoche, die am 10. April beginnt, bringt uns dem Ziel noch näher. Für viele von uns ist dies eine willkommene Erleichterung, weil damit die Fastenzeit zu Ende geht und ein freudiges Fest eingeleitet wird.


Die Fastenzeit und Ostern zeigen den Widerspruch im Wesen des Menschen: wir sind schwach und stark, wir sind sterblich und unsterblich.


Am Aschermittwoch, der die Fastenzeit einläutet, werden wir daran erinnert, dass Zeit und Dinge vergänglich sind: «Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.» Genesis 3:19. Mit den Worten des heiligen Paulus sind wir „zerbrechliche Gefäße“ (2 Kor 4,7), wir sind fragil, wir sind sterblich. Aus Ton geschaffen, finden wir uns oft auf dem Boden. Die Erdanziehungskraft unserer Schwächen zieht uns runter. Und während der Fastenzeit, versuchen wir nachzuvollziehen, wie durchschnittlich wir sind, wir versuchen unsere Mängel, Sünden und Fehler zu erkennen – um zu sehen, wie zerrissen, angeschlagen und zerbrochen die Gefässe sind.


Aber das ist nur die Hälfte der Wahrheit über uns. Wir sind nicht nur „Staub“, wir sind nicht nur Tongefäße, wir sind auch das Tongefäß, das einen Schatz in sich trägt (2 Kor 4,7): „Den Atem Gottes.“ Gott hauchte sein unsterbliches Leben in unseren sterblichen Körper. Wir sind erfüllt von seinem Leben. Uns wurden eine göttliche Fülle und Schönheit geschenkt, die kein Grab halten kann. Und dieses Geschenk feiern wir an Ostern. Gott erlaubt seinem Atem nicht, begraben zu sein.


Und weil unser vergänglicher Körper ein unvergängliches Gut in sich trägt, können wir immer sicher sein: „Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet“. (2 Kor 4:7-9).
Nun wollen wir frohlocken und Halleluja singen, weil sich eines Tages unsere Sterblichkeit, wie Christus, in Unsterblichkeit wandeln wird.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine gesegnete Karwoche und ein fröhliches Osterfest.

Pater Solomon