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Fastenzeit - eine Zeit der Einkehr und des Gebets

Liebe Mitchristen und Mitchristinnen im Pastoralraum

Sind Sie auch am Fasten? – In gewisser Weise sind wir wohl im Moment alle daran, weil die Einschränkungen durch Corona uns zwingen auf so vieles zu verzichten, was wir sonst gerne tun. Nun, dies meine ich nicht. Ich denke eher im Sinne des Psalmvers:

Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht! Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir. (Ps 27,8-9)

Die Fastenzeit lädt uns ein uns zu besinnen, uns unserem Ursprung, unserem Schöpfer zuzuwenden. Und er lässt ausrufen, dass dies eine besondere Zeit der Gnade sei, eine Zeit also mit hoher Gewinnchance für alles, was man sich von Gott so sehnlichst wünschen kann.

In jüngeren Jahren fastete ich eine gute Woche mit Nullkalorien, doch heute ist die radikale Umstellung dazu für meinen Kreislauf zu anstrengend und ich suche mir bewusst die Konsumgüter oder Gewohnheiten aus, die ich weglassen möchte. Fasten ist mehr als Nicht-Essen. Fasten ist Ernährung von innen und deshalb intensive Einkehr. Im Fasten ist Sinnliches und Geistiges, Leibliches und Seelisches untrennbar verbunden. Beten und Fasten gehören deshalb zusammen. Fasten ist ein Weg zu sich selbst und zu Gott.

Wer fastet ist nicht etwa mit Hungern beschäftigt, sondern wendet seinen Blick betrachtend auf seine Gewohnheiten und stellt sich bewusst der Frage nach seiner Existenz. Wer auf etwas verzichtet, verzichtet auf die Aufnahme von äusserem Genuss und stellt anderes in den Blick seiner Aufmerksamkeit. Wie oft trösten wir uns mit Nahrung, Genussmitteln oder obsessiven Gewohnheiten und versuchen unsere innere Leere oder Unlust damit zu füllen. Kurzfristig mag uns dies abzulenken oder ein wenig zu beruhigen, aber im Grunde bringt es uns nur mehr in falsche Abhängigkeit und betrügt unsere Seele.

Die Fastenzeit möchte uns darauf aufmerksam machen, dass unsere Seele auf eine Grenzenlosigkeit und Unendlichkeit angelegt ist, die man nicht einfach mit Kalorien auffüllen und betrügen kann. Wir sind auf Gott hin geschaffen. Nur Gott kann uns wirklich trösten, unseren Hunger stillen und unsere Leere richtig erfüllen. Wir beten doch: «Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit!»

Im Fasten bin ich ganz auf mich und meinen Schöpfer zurückgeworfen. Ich nehme bewusster wahr: was sagt mir mein Körper? Wie erlebe ich meine Eigenart? Wer bin ich in der Welt? Und wie kommt mit meine Mitwelt entgegen? All dies kann ich vor Gott bringen, im Gebet vor ihm betrachten, ihm klagen und ihm danken. Fasten hat in der jüdisch-christlichen Tradition seit jeher die Bedeutung, sich existenziell vor Gott zu stellen: Trauer und Bedrückung, Reue und Umkehr oder auch intensive Selbstbefragung und Entscheidung sind in der Bibel Anlässe zu beten und zu fasten.

Ich wünsche Ihnen und mir die Gnade dieser besonderen Zeit!
Esther Holzer, Pfarreiseelsorgerin