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Die Pascalsche Wette: Im Zweifel doch lieber an Gott glauben

Ob es Gott und ein Leben nach dem Tod gibt, wissen wir nicht. Wir können als Menschen nur daran glauben oder eben auch nicht daran glauben. Und die ganze Wahrheit werden wir erst nach dem Tod erfahren. Erst dann werden wir erfahren, ob wir weiter oder neu existieren, in welcher Form auch immer. Oder ob der Lichtschalter für immer ausgeknipst wird, wir in ewigen Schlaf fallen, kein Bewusstsein mehr haben oder erleben, als hätten wir niemals existiert.

Während überzeugte Gläubige und überzeugte Atheisten sich für ein Weltbild mit oder ohne Gott entschieden haben, bleibt es für sogenannte Agnostiker und Dauer-Zweifler schwierig, sich für eine Seite zu entscheiden. Sie wissen in diesem Zusammenhang nicht, was sie sagen und tun sollen. Wir können wohl noch hinzufügen: Ein Dilemma für die Frage nach dem Sinn des Lebens an sich.

Dazu gab der französische Mathematiker, Philosoph und Theologe Blaise Pascal im 17. Jahrhundert einen interessanten Denkanstoss: die «Pascalsche Wette». Demnach ist es für ihn vernünftig, «sicherheitshalber» doch an Gott zu glauben – da dieser gegebenenfalls den Glauben belohnt und dem Nichtglauben Lügen straft. Dieser Antwort legt er eine logische Schlussfolgerung zugrunde. Angenommen, es sei sicher, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder Gott existiert oder er existiert nicht. „Für welche Seite werden wir uns entscheiden?“, fragt Pascal. Dieser Entscheidung oder Wette könne sich niemand entziehen. Man muss sich klar für eine Seite entscheiden, wie bei dem Wurf einer Münze für Kopf oder Zahl.

Es gibt nur diese zwei Optionen. „Wenn Sie nicht wetten, dass es Gott gibt, müssen Sie wetten, dass es ihn nicht gibt (und umgekehrt). Wofür entscheiden Sie sich?“. Die Vernunft spricht nach Pascal dafür, auf Gott zu setzen. «Wenn es Gott wirklich gibt, gewinnt man alles – wenn nicht, verliert man nichts.»

Aus dieser Analyse der möglichen Optionen folgerte Pascal, dass es besser sei, bedingungslos an Gott zu glauben. So hat man nichts zu verlieren.

Ich denke, dies sind interessante Gedankengänge, di e auch Menschen von heute helfen können in der Beschäftigung mit der Gottesfrage und der persönlichen Entscheidung. Es gibt wohl niemand von uns, der nicht schon im Glauben angefochten worden ist. Glaube und Zweifel müssen sich auch nicht immer widersprechen – je nachdem, auf was sich Glaube und Zweifel genau richten.

Unbedingtes Vertrauen zu Gott? Trotz so vieler Widrigkeiten und der Unfähigkeit von uns Menschen, das Rätsel des Leids und des Bösen in der Welt enträtseln zu können? Ja, ich wünsche Ihnen und mir ein solch unbedingtes Gottvertrauen, das sich trotz allem immer wieder neu durchzusetzen vermag.

Guido Ducret, Pfarreiseelsorger