Zum Inhalt springen

Gedanken zu Ferien / Urlaub

Viele Menschen, ich inklusiv, dürfen sich auf die baldigen Sommerferien freuen.
Während sich der Alltag für viele oft sehr strukturiert, im Gewohnten, Wiederkehrenden und vielleicht auch in einer gewissen Monotonie ereignet, ist im Urlaub manches anders. Der Urlaub ist weniger bestimmt durch feste Vorgaben und Begrenzungen. Und Körper, Seele und Geist suchen sich ihren natürlichen und ausgleichenden Rhythmus.

Urlaub ist Unterbrechung des Alltags und des Gewöhnlichen, das Gegenläufige, Ungewohnte oder Aussergewöhnliche. Wenn es von Gott in der biblischen Urgeschichte symbolisch heisst: Er arbeitete sechs Tage und am siebten Tage ruhte er, so dürfen wir den Sonntag, freie Tage, Festtage und Urlaube als diesen «siebten Tag» ansehen. Im Urlaub können wir das alltägliche Tagwerk überschreiten und ein bisschen hinter uns lassen. Uns freuen am Besonderen. Der Besinnung und Ruhe Raum geben. «Und Gott sah, dass sein Schöpfungswerk gut war und er ruhte.» Wir alle brauchen, offenbar auch nach dem Willen Gottes, unsere Aus-Zeiten, andere Zeiten. Was wäre das Leben in der Wiederkehr des ewig Gleichen?

Zeitempfinden im Alltag und im Urlaub sind verschieden. Im Alltag schrumpfen Tage, Wochen, Monate und Jahre zusammen. Manches versandet ohne bleibende Erinnerung. Das eine oder andere im Urlaub Erlebte bleibt vielleicht anders in Erinnerung. Sinnvoll Urlaub machen ist auch eine Kunst, die gelernt sein will: innehalten, bewusst ein Gegengewicht zum Alltag setzen, ohne diesen dadurch zu entwerten. Die Zeit unterbrechen und den Lebensfluss umleiten, um aufgetankt zum Alltag zurückzukehren.

Wer im Alltag viel mit Menschen zu tun hat, der sucht im Urlaub vielleicht bewusst ein Stück Einsamkeit. Wer viel allein ist, dem mag im Urlaub die menschliche Nähe guttun. Wer sehr verplant und nach Terminkalendern lebt, braucht in den Ferien vielleicht auch spontane Aktionen. Wer viel unterwegs ist, fühlt sich gewiss in einer vertrauten Landschaft wohl. Wer sehr geordnet lebt, kann vielleicht auch mal eine abenteuerliche Reise geniessen. Wer im Alltag genug Aufregung oder Berieselung hat, ist gewiss für Ruhe und Entspannung dankbar. Und viele Menschen brauchen wohl ein gemischtes oder abgerundetes Urlaubsprogramm, als Einzelne, Paar, Familie oder Gruppe.

Alltag und Urlaub - zwei Bereiche, die sich ergänzen und zusammengehören.
Alltag und Urlaub - zwei Bereiche, die gemeinsam beitragen zu einem sinnerfüllten
Leben. Alltag und Urlaub - zwei Bereiche, die uns vom Schöpfer vorgegeben sind.

Jesus suchte zwischen seinen vielen Begegnungen, Predigten und Heilungen auch immer wieder die Ruhe und Auszeiten. Warum sollten wir es anders machen?

Mir gefällt der englische Ausdruck für Ferien/Urlaub: «Holidays». Wir können dies übersetzen mit: heilige Tage, geweihte Tage. Und das heisst: Innehalten, sich eine Auszeit gönnen im Fliessen und Zerrinnen der Zeit. Im Glauben neu entdecken: «Gott, in DEINEN Händen ist meine Lebenszeit» (Ps 31,16).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine sinnerfüllte, gesegnete sommerliche Urlaubszeit!

Guido Ducret, Pfarreiseelsorger