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Das Jahr 2021: Engel haben einen Weitblick

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben an Christus,

In wenigen Stunden neigt sich das Jahr 2020 dem Ende zu. Nur 365 Tage ist es alt geworden, und dann musste es schon gehen. Obwohl sein Leben so kurz war, hat es dennoch viel erlebt.

Mit Sicherheit war es ein Jahr, das sich in unser aller Gedächtnis eingebrannt hat. Es war ein Jahr, dass unsere Fundamente erschüttert und unsere sicher geglaubten Traditionen herausfordert. Wir dachten sie geben uns Sicherheit in allen Bereichen unseres Lebens. Die Covid-19 Pandemie brachte uns viele Veränderungen und stellte uns vor schwierige Aufgaben in unserem alltäglichen Leben, die unmöglich am Jahresanfang vorherzusehen waren.

Aber Tatsache ist: das Jahr gehört nicht zu uns, es war nicht unser Besitz. Es war uns nur anvertraut. Wir geben es dem zurück, der es uns geschenkt hat, dem es gehört. Dankbar legen wir das alte Jahr in seine Hände. Im selben Augenblick, als uns das alte weggenommen wurde (Gott sei Dank, können wir sagen), wurde uns ein neues geschenkt, das "Jahr 2021 nach Christus". Viele Menschen haben seine Ankunft begrüßt: auch wenn nicht mit dem üblichen, mit Festen und Feuerwerk. Wir wissen, wie viele Tage dieses neue Kind erleben wird: 365. Dann muss es auch wieder gehen und wir müssen es loslassen. Heute stehen wir an der Wiege des neugeborenen Babys. Und wir fragen, was diesem Kind bevorstehen wird. Wir schauen es ein wenig sorgenvoll an und vielleicht ist uns sogar ein wenig Angst um die Zukunft dieses Kindes.

Wenn ein Menschenkind geboren wird, dann freuen sich Mutter und Vater und andere Menschen mit ihnen. So ist es auch beim Kind von Bethlehem gewesen. Maria und Josef, die Hirten und die Weisen aus dem Osten haben sich über seine Ankunft gefreut. Aber eine Legende weiß davon, dass die Engel an der Krippe von Bethlehem geweint haben. Engel sehen weiter. Engel haben einen Weitblick. Sie haben schon vorausgesehen, was diesem Kind bevorsteht. Sie haben gesehen, wie dieses Kind als 33-jähriger Mann das Kreuz tragen muss und wie er an dieses Kreuz genagelt wird, um daran zu sterben. Unter dem Kreuz haben seine Mutter und seine Freunde geweint und die besagte Legende weiß zu erzählen, dass die Engel auf Golgota gelacht haben. Engel sehen weiter. Engel haben einen Weitblick. Sie haben schon vorausgesehen, wie der am Kreuz Gestorbene und ins Grab Gelegte auferweckt wird zu neuem Leben bei Gott.

Heute stehen wir an der Wiege des neugeborenen Jahres. Und wir lachen. Vielleicht aber weinen die Engel. Sie sehen ja voraus, was auf dieses Kind zukommt, welche schweren Stunden und Tage ihm bevorstehen, was es zu leiden haben wird. Wir sehen das nicht. Vielleicht wird dieses Kind bittere und traurige Stunden erleben. Und wir werden weinen. Und vielleicht werden in diesen schmerzlichen Stunden Engel bei uns stehen, die lachen. Sie sehen schon voraus. Sie sehen bis zum Ende. Sie sehen, dass alles ein gutes Ende nimmt, weil der, von dem dieses Jahreskind kommt, das Kind zu einem guten Ende führen wird.

Das ist die Hoffnungs- und Trostbotschaft, die ich Ihnen zum Jahresbeginn weiterschenken darf: Was uns im Neuen Jahr 2021 auch bevorsteht, es wird alles gut ausgehen, weil Gott für den guten Ausgang sorgt.

Der erste Tag des Jahres ist der Gottesmutter Maria gewidmet. Wir wollen jeden Tag des Jahres unter ihren besonderen Schutz stellen.

Pater Solomon Obasi