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«Ständiger Diakon»

Die römisch-katholische Kirche kennt das «allgemeine Priestertum aller Getauften». Dies hat das Zweite Vatikanische Konzil neu formuliert. Zu diesem allgemeinen Priestertum gibt es die drei Weihestufen: das Diakonat, das Priestertum und das Bischofsamt. Daneben gibt es eine Reihe von Funktionen und Diensten.

Das Konzil hat in diesem Bereich einiges neu geordnet und neu formuliert. Zum Beispiel ist das Amt des «Ständigen Diakons» als eigenständiger Dienst wieder in das Leben der Kirche aufgenommen worden. Der Dienst des Diakons ist seit der Apostelgeschichte belegt. Stephanus ist der Bekannteste von ihnen (Apg 6 und 7). Das Diakonat in neutestamentlicher Zeit und der jungen Kirche ist das Vorbild für das Verständnis von heute. Die Diakonin, der Diakon – der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet «Diener*in» - war schon damals Inhaber*in ein kirchliches Amt. Diesem Amt waren vor allem karitative und verwaltende Aufgaben zugeordnet. Dazu kamen Aufgaben in Lehre und Leitung. Dies blieb so bis ins Frühmittelalter. Dann wurden die Aufgaben mehr und mehr den Priestern übertragen.

Im neuen Testament sind neben gemeindeleitenden Frauen (Lydia, Philipper Brief) auch Diakoninnen erwähnt. Als Beispiel Phöbe im Römerbrief (16, 1). Da die Aufgaben und das Wesen der Diakone andere sind als jene der Priester und Bischöfe, ist die Forderung nach der Weihe von Frauen zum Diakonat seit einigen Jahren wieder auf der Tagesordnung. Zum Glück!
Das Amt, die Weihe des Kandidaten zum «Ständigen Diakon» bedingt, dass er verheiratet ist. Da die Ständigen Diakone in der Schweiz meist mit ganzem Pensum in der Pastoral arbeiten, ist auch das abgeschlossene Theologie Studium Bedingung.

Schon die Apostel haben bemerkt, dass in der Jünger Gemeinschaft nicht alle Frauen und Männer die gleichen Charismen, Begabungen haben. Die verschiedensten Nöte und Krankheiten liessen erkennen, dass neben Liturgie und Verkündigung auch das Caritative und das Heilen zum Grundauftrag in der Nachfolge Jesu Christi gehören. Diese Erkenntnis von verschiedenen Charismen, Berufungen und Aufgaben hat zur Neuausgestaltung des Diakonats geführt. Anfangs der 1970er Jahre gab es die ersten Weihen. Das Wesen, die Identität und die Zulassung beider Geschlechter ist seit 50 Jahren in Diskussion. Verschiedene Arbeitsorte und Tätigkeitsfelder können in Zukunft zu neuer Identität und zum Wesen der Ständigen Diakonin, dem Ständigem Diakon beitragen. Ein Zitat aus der Schrift «Diakonisierung» (Bautz Verlag, 2021):

«Dass religiöses, diakonisches Tun und religiöse, diakonische Empathie in dieser Pandemie genauso neu und ebenso stark herausgefordert sind wie alle anderen humanen, sozialen und solidarischen Kräfte der Menschen, verbindet alle Menschen – hoffentlich – zur Kraftanstrengung einer «universalen Fusswaschung» des einander Helfens und des einander Durchtragens durch schwere, unübersichtliche Zeiten. Der Diakon trägt auch in solchen pandemischen dunklen Zeiten eine neu entfachte Osterkerze voran, die Erhellung prognostiziert, auch wenn andere Prognosen unsicher sind!»

Hans-Peter Stierli, Pfarreiseelsorger