Die Kirche benutzt alle Kanäle, um uns Kindern ihre mütterliche Seite zu zeigen. Sie agiert nicht nur mütterlich; sie ist auch eine Mutter. Sie gibt allen die Möglichkeit, die verschiedenen Erfahrungen des Lebens durchzumachen. Der Advent ist da, um uns vorbereiten zu helfen, würdig die Geburt des Heilands willkommen zu heißen. Geburt verheißt Leben; sie bedeutet Bestand; sie schafft Kontinuität. Das sind alle Gründe, Freude zu haben und Freude zu verschenken.
Momentan stecken wir in der fünften Jahreszeit mit der Narrenfreude und den ausgelassenen Feierlichkeiten. Das Ganze hört mit dem Aschermittwoch auf, dem Beginn der Fastenzeit. Sie ist, wie der Advent, auch eine Zeit der Vorbereitung, aber mit einer anderen Stimmung, einem anderen Ziel.
Die Fastenzeit ist die Möglichkeit, das Leben und die Welt so zu betrachten, wie sie sind: vergänglich. Die Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen, verleiht unserer Vergänglichkeit einen prägnanten Ausdruck. Der Mensch ist innerhalb der Spannungsdynamik von Entstehen und Vergehen definierbar. Durch dieses Wissen sollten wir die Liebe zu den Dingen entwickeln, die nicht vergänglich, sondern unvergänglich und somit heilsrelevant sind. In dieser Zeit ermuntert uns die Kirche, uns mit Fasten, Gebet und Almosen zu reinigen, damit der Fokus auf das gerichtet wird, was im Leben wichtig ist. Die drei Elemente der Versuchung Jesu (Brot, falsches Vertrauen, Macht) mögen uns dabei helfen zu unterscheiden zwischen Ziel/Zweck und Mittel. Nichts auf dieser Welt kann wichtiger sein als die Einheit mit Gott am Ende der Zeiten. Die vergänglichen Güter dieser Welt sind nur so gut, wie sie uns zum Ziel dieser unvergänglichen Einheit mit Gott zu führen helfen. Daher sollten wir uns die Mühe machen, zielgerichtet Frieden und Freundschaft mit Gott zu schließen, und zwar mit den vergänglichen Dingen, die Er uns Vergänglichen zu Verfügung gestellt hat. Die Fastenzeit gibt uns weiter die Möglichkeit, wieder an Ihn zu denken, denn der Verzicht, das Markenzeichen der Fastenzeit, nimmt uns Nichts weg. Im Gegenteil; er beschenkt uns, vor allem mit dem Wissen, dass unsere Lebenskraft nicht in uns liegt bzw. zu entdecken ist, sondern außerhalb unserer Wenigkeit, in Gott. Ferner lässt uns der Verzicht erahnen, zu welch höherem Ziel der Unvergänglichkeit wir berufen sind.
Möge dieses Wissen unsere Bereitschaft zu Verzicht stärken. Möge es uns zu Hilfe eilen, eine besinnliche und gnadenerwirkende Fastenzeit zu erleben.
Innocent Ezeani, Kaplan