Die zwei grössten und einschneidendsten Anfänge im Leben sind die Geburt in dieses «fleischliche» Leben (wie Paulus es beschreiben würde) und das Sterben als Anfang in ein Leben im Licht. Auch Paulus spricht davon: Er nennt die Verstorbenen «die schon im Licht sind» (Kolosserbrief 1,12).
Übergänge und (Neu-)Anfänge gibt es in einem Leben unzählige. Viele passieren einfach so, andere nehmen wir bewusst wahr und können sie auch gestalten – zum Beispiel die Pensionierung!
Leute meiner Generation kennen ihn noch: den Schlager «Mit 66 Jahren fängt das Leben an!». 1978, als der Schlager aktuell war, habe ich mit 18 Jahren noch nicht an 66 gedacht und über die rockige Art und den wohl etwas überzeichneten Text gelächelt.
In den Sommerferien habe ich ein Buch mit dem Titel «Die Reise ist noch nicht zu Ende» von Karl Guido Rey und Edith Hess gelesen. Es wurde 2003 erstmals veröffentlicht und lag schon länger in einem Karton mit ungelesenen Büchern. Kurz gesagt geht es darum, mit dem Vergangenen versöhnlich abzuschliessen und die Pensionierung als einen neuen Lebensabschnitt zu gestalten und zu erfahren, in dem geistig und seelisch noch einiges neu angefangen werden kann – und gleichzeitig realistisch anzunehmen, dass der Körper beginnt, da und dort zu zwicken oder gar nicht mehr mitmachen will.
In der Soziologie werden heute vier Lebensabschnitte unterschieden: Kindheit/Jugend – Erwachsenenalter – aktives Seniorenalter – Alter, in dem man auf Pflege angewiesen ist. Der Psalmbeter würde dazu sagen: «Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt, achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Verhängnis, schnell geht es vorbei, wir fliegen dahin.» (Psalm 90,10). Das ist herausfordernd formuliert; immerhin dauert das «aktive Seniorenalter» heute oft bis 80 Jahre und darüber hinaus. «Mühsal und Verhängnis» folgen im letzten Lebensabschnitt. Rey und Hess plädieren dafür, auch das anzunehmen, zu gestalten und für alles dankbar zu bleiben.
Möchten Sie noch einmal 18 sein und neu anfangen? Das kommt auf die Reife der Früchte an. Viele würden antworten: Nein, so wie es war, ist es gut – trotz «Mühsal und Verhängnis». Der Ruhestand muss kein «Unruhestand» sein. Er kann auf vielfältige Weise sinnvoll gestaltet werden. Viele Pensionierte engagieren sich freiwillig in Kirche, Schule und Vereinen, geben damit ihre reichen Erfahrungen weiter und ihrem Leben Sinn.
66 Jahre – und «Die Reise ist noch nicht zu Ende»! Vielen Dank!
Anfangen mit einer Lehre oder einer weiterführenden Schule tun jetzt die Jugendlichen, welche die obligatorische Schulzeit im Sommer beendet haben, und die Kinder, welche ein neues Schuljahr beginnen. Ihnen wünsche ich ein gutes Anfangen, einen guten Start.
Allen wünsche ich alles Gute, «händ Sorg» und Gottes Segen.
Hans-Peter Stierli, Diakon