Seine Figur fasziniert unheimlich. Bewusst platziert an der Schwelle zur Jetztzeit schließt Johannes der Täufer das Alte ab, um das Neue hereinzulassen. Seine Nahrung, Kleidung und Auftreten bestätigen überzeugend seinen prophetischen Dienst. Alles an ihm sollte zeigen: Jetzt beginnt eine neue Zeit – Gott greift ein; die Menschen müssen sich vorbereiten. Die Wüste war seine Domäne (Mk 1,4-8), ein Symbol des neuen Anfangs und der Gottesbegegnung. Er stilisierte sich durch seine Kleidung (Kamelhaaren und Ledergürtel) als (wiedergekommener) Elija (vgl. 2Kön 1,8). In der jüdischen Tradition lebte man ja in der Erwartung, dass Elija vor dem Kommen des Messias wieder auftreten würde. Johannes tritt unbeirrt wie ein endzeitlicher Prophet auf. Seine raue Kleidung symbolisierte den Verzicht auf Luxus und die Distanz zur der reichen (dekadenten) Gesellschaft. Ferner steht sie für die Konzentration auf Gottes Botschaft statt auf äußeren Status. Umkehr statt Selbstgenuss ist sein Mantra. Seine Nahrung – „Heuschrecken und wilder Honig“ – weist ihn als Asketen aus. Das ist der schlechthinnige Inbegriff der Wüstennahrung und symbolisierte die Unabhängigkeit des Johannes von politischen Eliten. Zum religiösen Establishment Jerusalems gehörte er nicht. Er kam direkt aus der Wüste mit dem Ruf zu Gott hin. Die Geographie seines Auftretens ist ebenfalls symbolisch: Der Jordan, der Grenzfluss, erinnert an den Exodus. Nach Joh 1,28 taufte Johannes „jenseits des Jordans“, wo unter wunderbaren Umständen Josua an der Spitze Israels ins Gelobte Land gezogen ist. So müssten die Israeliten symbolisch die Landnahme rückgängig machen und wieder durch den Jordan ins Land der Verheißung ziehen, um neu leben zu können. Dies, nach Johannes, sollte durch die Taufe geschehen. Daher predigte er Umkehr, eine Voraussetzung für die Vergebung der Sünden. Er echauffierte sich über Heuchelei und Selbstsicherheit. Die Menschen, die ihn zuhörten erkannten: Botschaft und Lebensführung dieses Mannes passen zusammen. Er sucht keinen Vorteil für sich selbst. Vielmehr ist er eine Grenzfigur: letzter großer Prophet der alten Zeit und zugleich der Wegbereiter für Jesus von Nazaret.
Dann kam Jesus! Er benutzte Bilder und Gleichnisse, die anscheinend uns heute nichts mehr sagen, uns nicht mehr ansprechen. Wir sind Satte, die mit Seinem Gastmahl nichts anfangen können. Die Perlen können wir sicherlich beim Juwelier finden. Es sei denn, das Geld fehlt. Wir suchen auch keinen versteckten Schatz im Acker. Scheinbar gibt es nichts mehr, das wir nicht schon in diesem Himmel auf Erden hätten. Johannes der Täufer erkannte allerdings: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Seinen Geburtstag begehen wir am 24. Juni. Er erinnert uns zeichenhaft daran, dass wir uns nie erahnen können, welch eine Zukunft das Reich Gottes für uns parat hat.
Möge uns die wahre Größe unseres Herrn Jesus Christus immer bewusst werden durch diesen symbolbehafteten Heiligen, Amen!
Innocent E. Ezeani, Kaplan